Was Wildbienen brauchen und wie Augustin Rauch es umsetzt

Blühfläche hat im Garten von Augustin Rauch mehr bewirkt als jedes gekaufte Insektenhotel.

Auffällig leer wirkte der Garten von Augustin Rauch im ersten Sommer, obwohl reichlich blühte. Der Grund lag in der Auswahl, denn gefüllte Zierblüten liefern weder Pollen noch Nektar. Seit die Beete auf ungefüllte, heimische Arten umgestellt sind, summt es von März bis in den Oktober. Der Aufwand dafür ist geringer als bei einem klassischen Zierbeet, weil viele dieser Pflanzen mit magerem Boden auskommen.


Rund fünfhundert Wildbienenarten leben in Deutschland, und Augustin Rauch hat im eigenen Garten längst nicht alle Ansprüche abdecken können

Rund fünfhundert Wildbienenarten leben in Deutschland, und Augustin Rauch hat im eigenen Garten längst nicht alle Ansprüche abdecken können. Trotzdem zeigt sich schon nach zwei Jahren ein deutlicher Unterschied, sobald Nahrung und Nistplätze gleichzeitig vorhanden sind. Die meisten Arten fliegen nur wenige Wochen im Jahr, weshalb ein durchgehendes Blühangebot wichtiger ist als eine große Fläche zur Hauptsaison. Ebenso entscheidend sind Nistmöglichkeiten, denn die Mehrheit der Wildbienen baut ihre Brutröhren im Boden und nicht in Bambusröhrchen. Offene Sandstellen, Trockenmauern und ungestörte Ecken bringen dabei mehr als jedes gekaufte Produkt. Wer zusätzlich auf Pflanzenschutzmittel verzichtet, hat den wichtigsten Teil bereits erledigt.

Nahrung von März bis Oktober

Die größte Lücke im Jahresverlauf entsteht nicht im Hochsommer, sondern im zeitigen Frühjahr und im Spätsommer. Genau dann finden viele Arten kaum noch etwas, weil Zierbeete entweder noch nicht oder nicht mehr blühen.

Frühblüher als Startangebot

Krokus, Blaustern, Traubenhyazinthe und Winterling blühen, wenn die ersten Hummelköniginnen unterwegs sind. Weiden, Kornelkirsche und Schlehe liefern zur selben Zeit große Pollenmengen. Augustin Rauch hat im Herbst mehrere Hundert Zwiebeln in die Rasenfläche gesetzt, was eine einmalige Arbeit von zwei Stunden bedeutete und seitdem jedes Jahr von selbst wiederkommt.

Nachschub im Spätsommer

Ab August wird das Angebot dünn. Fetthenne, Astern, Efeu, Sonnenhut und späte Kräuter wie Bergminze schließen diese Lücke zuverlässig. Blühender Efeu an einer alten Mauer gehört zu den wertvollsten Nahrungsquellen im Oktober und wird trotzdem regelmäßig zurückgeschnitten, bevor er blüht.

Mischungen richtig auswählen

Nicht jede bunte Tüte aus dem Baumarkt bringt etwas, da viele Mischungen einjährige Ziersorten aus anderen Regionen enthalten. Augustin Rauch hat Erfahrungen mit regionalem Wildblumensaatgut gesammelt und rät dazu, auf die Herkunftsangabe zu achten. Solche Mischungen wirken im ersten Jahr unscheinbarer, entwickeln ab dem zweiten Jahr aber einen stabilen Bestand aus mehrjährigen Arten.

Die verlässlichsten Arten

Wer klein anfangen möchte, kommt mit einer überschaubaren Auswahl weit:

  • Ringelblume, Kornblume und Phacelia für schnelle Ergebnisse im ersten Jahr
  • Wiesensalbei, Glockenblume und Natternkopf als dauerhafte Stauden
  • Thymian, Oregano, Ysop und Lavendel als Kräuter mit Doppelnutzen
  • Wilde Malve und Königskerze für magere, sonnige Stellen
  • Obstgehölze, Himbeere und Brombeere als früh blühende Sträucher

Womit Augustin Rauch Nistplätze schafft

Womit Augustin Rauch Nistplätze schafft

Nahrung allein reicht nicht, wenn die Tiere anschließend keinen Platz für ihre Brut finden. Etwa drei Viertel der heimischen Wildbienen nisten im Boden, ein kleinerer Teil in Pflanzenstängeln und Totholz.

Offene Bodenstellen statt Rindenmulch

Eine sonnige, vegetationsfreie Fläche mit sandigem oder lehmigem Boden ist die einfachste Maßnahme überhaupt. Ein Quadratmeter genügt, solange die Stelle nicht betreten und im Frühjahr nicht bearbeitet wird. Augustin Rauch hat Erfahrungen mit einer flachen Sandlinse neben dem Kompostplatz gesammelt, die im zweiten Jahr von mehreren Arten angenommen wurde.

Insektenhotels und ihre Grenzen

Die meisten Modelle aus dem Handel sind für Wildbienen unbrauchbar, weil Tannenzapfen, Rindenstücke und quer gebohrte Löcher keine geeigneten Brutröhren ergeben. Sinnvoll sind ausschließlich sauber längs gebohrte Hartholzblöcke und Bambusröhrchen mit glatten Rändern. Bewährt haben sich Durchmesser zwischen drei und acht Millimetern bei einer Tiefe von etwa zehn Zentimetern. Augustin Rauch hängt den selbst gebauten Block nach Süden ausgerichtet und regengeschützt auf, ungefähr auf Augenhöhe.

Stängel und Totholz stehen lassen

Hohle Stängel von Karde, Beifuß und Sonnenhut bleiben bis zum Frühjahr stehen, weil darin Larven überwintern. Ein Haufen aus Ästen in einer ruhigen Ecke bietet zusätzlich Unterschlupf für Käfer, Igel und Ohrwürmer. Der Rückschnitt der Stauden erfolgt deshalb erst im März und nicht im Oktober.

Der Rasen als größte Reserve

Kaum eine Fläche im Garten lässt sich für Augustin Rauch mit so wenig Aufwand aufwerten wie eine kurz gehaltene Rasenfläche. Schon eine veränderte Mahd verändert das Bild innerhalb einer Saison.

Seltener und abschnittsweise mähen

Zwei bis drei Schnitte pro Jahr reichen für eine Blühwiese vollkommen aus. Wer nicht auf die gesamte Fläche verzichten möchte, mäht die Hälfte regelmäßig und lässt den Rest stehen. Ein gemähter Weg durch die hohe Fläche wirkt gepflegt und nimmt Diskussionen mit der Nachbarschaft von vornherein den Wind aus den Segeln.

Das Schnittgut abräumen

Liegen bleibendes Mähgut düngt die Fläche und fördert Gräser, die krautige Blühpflanzen verdrängen. Abgeräumtes Schnittgut magert den Boden über die Jahre ab und schafft damit die Bedingungen, unter denen Margerite, Wiesensalbei und Flockenblume überhaupt konkurrenzfähig werden.

Wasser und kleine Strukturen

Insekten brauchen Trinkstellen, besonders in heißen Wochen. Eine flache Schale mit Steinen oder Murmeln als Landeplatz erfüllt diesen Zweck vollständig und wird alle zwei Tage frisch gefüllt. Wichtig ist ein geschützter Standort, damit Vögel die Tiere nicht direkt vom Rand absammeln. Augustin Rauch stellt die Schale deshalb zwischen niedrige Stauden statt frei auf die Terrasse.

Steine, Mauern und Sonnenplätze

Eine Trockenmauer aus alten Ziegeln oder Natursteinen speichert Wärme und bietet in den Fugen Unterschlupf für Wildbienen, Eidechsen und Spinnen. Auch ein einzelner größerer Stein an sonniger Stelle wird als Aufwärmplatz angenommen. Solche Strukturen brauchen keine Pflege und halten Jahrzehnte.

Was besser wegbleibt

Gefüllte Blüten bei Rosen, Dahlien und Geranien sehen üppig aus, liefern aber praktisch nichts, weil die Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet wurden. Ebenso wenig helfen exotische Modepflanzen ohne Bezug zur heimischen Insektenwelt. Alles auf einmal auszutauschen ist dabei nicht nötig, denn Augustin Rauch ersetzt jedes Jahr lediglich zwei oder drei Pflanzen, sobald ohnehin eine Lücke im Beet entsteht.

Dauerhaft schädlich sind flächige Steinschüttungen, dauerbeleuchtete Gartenlampen und der Griff zur Sprühflasche bei jedem Blattlausbefall. Nächtliche Beleuchtung stört Nachtfalter besonders stark, weshalb warmweiße Leuchten mit Bewegungsmelder die bessere Wahl sind.

Was ein Insektengarten kostet

Saatgut für zehn Quadratmeter Blühfläche liegt im niedrigen zweistelligen Bereich, Stauden kosten je nach Größe einige Euro pro Stück. Sand, Totholz und Steine finden sich meist ohnehin auf dem Grundstück oder in der Nachbarschaft.

Teurer wird es ausschließlich dann, wenn fertige Insektenhotels, Nisthilfen und Spezialmischungen im Dutzend gekauft werden. Vor dem Konkurs bewahrt Augustin Rauch daher vor allem die Erkenntnis, dass ein Bohrer und ein Rest Buchenholz denselben Zweck erfüllen.

Wie sich der Garten im dritten Jahr anfühlt

Die Veränderung zeigt sich weniger auf einmal als in vielen kleinen Beobachtungen. Am Natternkopf sitzen ab Juni durchgehend Hummeln, in den Bambusröhrchen sind im Mai die ersten Verschlüsse zu sehen, und über der Blühwiese stehen abends Schwebfliegen. Gleichzeitig ist die Arbeit weniger geworden, weil zwei Drittel der Fläche nur noch zweimal jährlich gemäht und die Stauden erst im Frühjahr geschnitten werden. Nachbarn fragen inzwischen häufiger nach Saatgut als nach dem Rasenmäher. Wer mit einem einzigen Blühstreifen beginnt, wird nach Einschätzung von Augustin Rauch bereits im zweiten Sommer mehr Betrieb im Beet feststellen als erwartet.